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Job Shadowing in Loudun im Rahmen des ErasmusPlus-Projektes

   
   
   
    Vom 10. bis 14. Februar 2025 verbrachten Alexandra Denicolo und Friederike Ebert im Rahmen des ErasmusPlus-Projekts des Gymnasiums Beilngries eine sehr interessante Unterrichtswoche an der Austauschschule Lycée Guy Chauvet in Loudun, um das Schulleben dort näher kennenzulernen. Es fanden Hospitationen in den Fächern Deutsch, Englisch, Geschichte/Geographie und Humanités/Literatur/Philosophie statt. Den Teilnehmern wurde ein Einblick in die Schulverwaltung, die Gesundheitsvor- und -fürsorge der Schule, die Anti-Mobbingprävention und in die Arbeit der beiden Erasmusverantwortlichen mit ihrem 40köpfigem Schülerprojekt gewährt. Es gab darüber hinaus intensive Gespräche mit der Fachschaft Englisch, mit den Verantwortlichen des bilingualen Unterrichts für Biologie und Gesundheitsmanagement und einzelnen Verantwortlichen für besondere Schulprojekte: parcours avenir (Berufsorientierung), Maison des Lycéens, pHARe und vie scolaire.    
   
   


Beschreibung der schulischen Situation:

Im Schuljahr 2024/25 unterrichten etwa 50 Lehrkräfte im Lycée Guy Chauvet in den Jahrgangsstufen Seconde, Première und Terminale circa 400 Schülerinnen und Schüler sowie 80 Schüler in der sog. BTS (Brevet de Technicien Supérieur). Das Lycée hat neben der Schulleiterin, die für die allgemeine Verwaltung und Repräsentation der Schule verantwortlich ist, eine eigene Finanzverwaltung und eine pädagogische Leitung.

Das Schulgebäude besteht aus älterer (das Gymnasium existiert seit 1610) und teilweise neuerer Bausubstanz (erst zwei Jahre alt). Es ist medientechnisch mit mehreren Whiteboards (für Gruppenarbeiten der Schüler) und einem Beamer in jedem Klassenzimmer, sowie vereinzelt mit Smartboards, gut ausgestattet. Für kooperative Unterrichtsmethoden verfügen die Klassenzimmer darüber hinaus ausschließlich über leicht verschiebbare Einzeltische, die rasch für Gruppenarbeiten zusammengeschoben werden können. Leider ist die Raumsituation generell recht beengt, so haben beispielsweise die Lehrerinnen und Lehrer im Lehrerzimmer keinen eigenen Arbeitsplatz und es stehen dem Lehrpersonal nur zwei Toiletten zur Verfügung, die von Frauen und Männern gleichermaßen aufgesucht werden.

Die Ausbildungsrichtungen sind allgemeinbildend und naturwissenschaftlich-technologisch. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, unter demselben Dach nach dem Abitur zu studieren (s.o. BTS). Ein Teil der Schüler lebt im hauseigenen Internat.

Der Unterricht geht von Montag bis Freitag von 8.00 Uhr bis 17.30 Uhr. Eine Schulstunde dauert anders als in Deutschland 55 Minuten. Anstelle eines Gongs ertönt am Anfang und Ende einer jeden Unterrichtsstunde ein kurzer Einspieler mit Popmusik, die wöchentlich wechselt. Dies wirkt sich positiv auf die allgemeine Lernatmosphäre aus.







    Unterrichtsbeobachtungen:

Insgesamt fällt auf, dass den Lehrkräften sehr daran gelegen ist, zusammenzuarbeiten, d. h. konkret Stundensequenzen und Prüfungen teilweise gemeinsam oder arbeitsteilig vorzubereiten und danach allen digital zur Verfügung zu stellen. Die Schülerinnen und Schüler sind sich dessen bewusst, dass die Lehrkräfte des Faches Englisch ein Team sind und alle dasselbe unterrichten. Im Gespräch mit der Fachschaft Englisch erfuhren wir außerdem, dass hier die „Politik der offenen Türen“ herrscht, was so viel bedeutet wie gegenseitige Unterrichtsbesuche nicht im Sinne von Kontrolle, sondern gegenseitiger Inspiration und wertschätzendem Feedback. Die Voraussetzung hierfür ist eine von Vertrauen und Offenheit geprägte Atmosphäre. Diese haben wir im Gespräch miteinander zu jedem Zeitpunkt empfunden.

Bei der Schulbesichtigung wurde uns u.a. ein Medienraum gezeigt, der ausschließlich für das Schulfach cinéma audio-visuel (CAV) eingerichtet ist. Neben einer besonders großen Leinwand verfügt dieser Raum über das gesamte Equipment zum Filme drehen und schneiden. In diesem Fach kann sogar das Abitur abgelegt werden.

Der Sprachenunterricht Englisch, Spanisch und Deutsch nimmt in der Regel nur zwei Unterrichtsstunden pro Woche ein und wird im Hinblick auf das Abitur nur wenig gewichtet, was sich in der geringeren Lernmotivation der Jugendlichen und ihrem im Vergleich zu Deutschland niedrigerem Leistungsniveau widerspiegelt. Die Lehrkräfte sind deshalb sehr bemüht durch Methodenvielfalt, offene Arbeitsformen und ansprechenden Aufgabenformaten (graphic novel, Videos, podcast) dem entgegenzuwirken und die Schülerinnen und Schüler zu jeder Zeit zu aktivieren. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, Englisch mit sechs Stunden pro Woche als Leistungsfach zu wählen und darin das Abitur abzulegen.

In den Fächern Geschichte/Geographie und Humanités/Literatur/Philosophie fiel auf, dass neben Frontalunterricht viel Stillarbeit der Schüler stattfindet. Die Schüler erhalten beispielsweise Arbeitsblätter mit Quellenmaterial sowie vorgefertigte Lückentexte, die sie in Einzelarbeit still bearbeiten müssen. Danach werden gemeinsam die Ergebnisse auf dem Whiteboard zusammengetragen. Es gab auch Aufgaben über mehrere Wochen hinweg, in denen die Jugendlichen anlässlich der politischen Krise in Frankreich ein Wahlplakat entwerfen und eine Rede schreiben mussten. Um die Schüler auf das Abitur vorzubereiten, werden sie über mehrere Jahre hinweg methodisch dahingehend geschult, dass sie 1. eine sog. Dissertation (Aufsatz zu einem geschichtlichen Thema) 2. einen Commentaire (Analyse mit Quellenmaterial) schreiben, als auch 3. Karten deuten, interpretieren und beschriften können.

Wir konnten in allen Fächern eine hohe Lehrermotivation trotz fehlender Aufstiegsmöglichkeiten und im Vergleich zu Deutschland eines erheblich geringeren Gehalts beobachten.

   







Organisation des außerunterrichtlichen Schullebens

Unterhaltung mit der Krankenschwester Sandra Prodhomme

Landesweit gibt es in Frankreich an allen Schulen eine Krankenstation mit einer fest angestellten Krankenschwester. Sie nimmt alle Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer auf, die sich krank fühlen. Sie ist befugt, Medikamente zu verabreichen und informiert die Eltern der Kinder, wenn sie z.B. abgeholt werden möchten. Die Krankenstation verfügt über ein eigenes Krankenzimmer mit drei Betten. Sie ist darüber hinaus aber auch für die Sorgen und Nöte der Jugendlichen zuständig und vermittelt sie im Falle eines Verdachts auf eine psychische Erkrankung an therapeutische Einrichtungen weiter. Dabei arbeitet sie auch mit Schulpsychologen und den Lehrern eng zusammen. Selbstverständlich unterliegt sie einer Schweigepflicht, die nur im Falle einer Suizidgefährdung oder im Falle von Missbrauch aufgehoben ist. Außerdem ist sie für die Sexualerziehung und Gesundheitsfürsorge (Suchtprävention, Ernährung etc.) an der Schule zuständig.

Unterhaltung über das Antimobbing-Programm pHARe mit Marianne Souchon

Es handelt sich hierbei um ein staatlich gefördertes Präventionsprogramm, das flächendeckend in ganz Frankreich an Schulen etabliert ist und bereits die ersten Anzeichen von Mobbing im Keim ersticken soll. Dieses Programm wurde aus Finnland übernommen. Es funktioniert folgendermaßen:

Gibt es einen Verdacht auf einen Mobbingfall, wird zunächst das vermeintliche Opfer angesprochen und danach gefragt, ob alles in Ordnung sei. Ist dem nicht so und der Betroffene ist bereit, die Namen der vermeintlichen Täter zu nennen, so kommen die sogenannten Schülerbotschafter zum Einsatz. Schülerbotschafter gehören zum Team des Antimobbingprogramms. Alle Botschafter werden gleichzeitig ausgesendet. Jeweils ein Botschafter spricht einen ‚Täter‘ an und erkundigt sich zunächst nur danach, ob er/sie bemerkt habe, dass es dem ‚Opfer‘ nicht gut geht und ob er/sie etwas dafür tun könne, dass es ihm besser geht. Die ‚Täter‘ werden also nicht beschuldigt, aber alarmiert. Oftmals ist diese Intervention bereits ausreichend, um das Problem zu lösen. Gelingt dies durch solche Aktionen nicht, besteht der nächste Schritt darin, den/die ‚Täter‘ der Schulleitung zu melden, wo sie dann direkt beschuldigt werden und entsprechende Sanktionen zu befürchten haben.

Unterhaltung über Berufsorientierung mit Noella Cueau-Gillet

In diesem Lycée stellt die Berufsorientierung einen sehr wichtigen Baustein im Bildungskanon der Schule dar. Frau Gillet ist dafür zuständig, externe Referenten, die eine große Bandbreite an Berufen, als auch weiterführende Bildungseinrichtungen (versch. Universitäten, Technikerschulen etc.) vorstellen, zu akquirieren. Das Besondere daran ist, dass sie monatlich mehrere Veranstaltungen organisiert, an denen gesamte Klassen, aber auch einzelne, interessierte Schülerinnen und Schüler teilnehmen können. Diese verlaufen parallel zur Unterrichtszeit.

Unterhaltung über das sog. Vie Scolaire mit Béatrice Fauquembergue

Zusammen mit zwei sog. assistantes d’éducation kümmert sie sich um die Absenzen der Schülerinnen und Schüler. Sie kontrolliert, ob die Jugendlichen rechtmäßig abwesend sind. Im Falle von Schulschwänzen telefoniert sie mit den Elternhäusern und berät sich mit den Lehrern des betroffenen Schülers und oftmals auch mit der Krankenschwester, wenn psychische Probleme im Spiel sind. Auch sie kann deswegen von den Schülerinnen und Schülern aufgesucht werden. Während der Unterrichtszeit kontrollieren die assistantes d’éducation Schulgänge, Aufenthaltsräume und den Schulhof auf Jugendliche, die nicht im Unterricht sind und beaufsichtigen auch in der unterrichtsfreien Zeit die Schüler auf dem Schulgelände.

Darüber hinaus organisiert Frau F. Ausflüge am Mittwochnachmittag (schulfrei in Frankreich, Maison des Lycéens) und alle Aktionen und Aktivitäten, die in Deutschland unter Schülermitverantwortung laufen. Das Amt des sog. Vie Scolaire (wörtlich: Schulleben) gibt es europaweit nur in Frankreich.

Friederike Ebert und Alexandra Denicolo








   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
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